Endlich: Du hast Dir Dein Wunschpiercing stechen lassen! Doch nun mußt Du es auch richtig behandeln und pflegen, damit es schön verheilt. Wie, sagt Dir unser Piercingratgeber...

Die korrekte Pflege zu Hause ist für ein erfolgreiches Piercing genauso wichtig wie das hygienische Anbringen des Schmucks im Studio.

Sobald du das Piercingstudio verlassen hast, liegt die Verantwortung für dein Piercing ganz bei dir alleine. Du musst die Wunde sauber halten und gut pflegen. Dazu gehören viel Disziplin und Gewissenhaftigkeit bei der Befolgung der Anweisungen deines Piercers, der übrigens erfahrungsgemäß bei einem etwaigen Kontrolltermin mit ziemlicher Sicherheit beurteilen kann, ob du seine Tipps befolgt hast!

Du solltest von ihm sämtliche Anweisungen zu Reinigung und Pflege, sowie eine Liste aller Tätigkeiten, die du in der nächsten Zeit lieber bleiben läßt, schriftlich mit nach Hause bekommen haben.

Bedenke, dass es keine generellen, universal gültigen Regeln zur Pflege gibt. In jedem Studio wirst du unterschiedliche Pflegeanweisungen bekommen, und jeder Piercer schwört Stein und Bein auf seine eigene Heilmethode. Im Zweifelsfall höre auf ihn!

Zunächst einmal...

Ein frisches Piercing ist eine offene Wunde und damit ein Eingangsportal, durch das jederzeit Keime in den Körper eindringen können. Daher muß es stets so sauber wie möglich gehalten werden. Das bedeutet zunächst vor allem eins: FINGER WEG! Die allermeisten Entzündungen entstehen, wenn du das neue, zugegebenermaßen aufregende Piercing, mit ungewaschenen Fingern anfasst oder gar von Freunden anfassen läßt. Also, bei der täglichen Pflege vorher die Hände gründlich mit Seife waschen, besser noch zusätzlich mit Hautdesinfektionsspray behandeln. Achte immer darauf, dass dein Piercing nicht mit dreckiger oder verschwitzter Kleidung in Berührung kommt, und dass die − möglichst atmungsaktiven Klamotten es nicht einengen oder daran reißen (Gürtel!) können.

Wenn Du all diese Pflegehinweise beachtest, hast Du eine sehr gute Chance, dass Dein Piercing problemlos verheilt!

Während der ganzen Heilungszeit wird Lymphe, kleine Mengen an Eiter oder am Anfang vielleicht sogar Blut aus der Wunde austreten. Sei nicht beunruhigt: Das ist ganz normal!

Ernsthaft entzündet ist das Piercing erst, wenn es nach mehreren Tagen rot anläuft, anschwillt und stark schmerzt. Dann solltest Du einen Arzt konsultieren. Mit dem frischen Piercing kannst du ganz normal duschen, solltest aber eine milde unparfümierte Seife benutzen.

Vermeide während des gesamten Heilungsprozesses Seewasser, Badewanne und in den ersten Wochen auch Meerwasser, da durch das Baden Keime in die Wunde gelangen können. Das Salz im Meerwasser kann nach einigen Wochen beim Heilungsprozeß hilfreich sein. Das Piercing sollte aber danach gereinigt werden.

Zwei Wochen lang wirst Du das Piercing täglich zwei bis dreimal mit Desinfektionsspray für die Haut einsprühen. Nicht öfters, da sonst die Haut austrocknet und der natürliche Säuremantel zerstört wird. Die Flüssigkeit einwirken lassen und die durch austretende Lymphe und Blut entstandene Kruste vorsichtig, am besten mit einem Wattestäbchen entfernen.

Nun sprühst Du den Schmuck noch mal ein und ziehst ihn mehrmals durch den Wundkanal, damit sich das Desinfektionsmittel darin verteilt.

Als ganz natürliches Desinfektionsmittel empfehlen viele Piercer einfaches Salzwasser (einen Teelöffel Meersalz pro Tasse Wasser). Auch Eigenurin ist besonders gut geeignet. Genitalpiercings verheilen deshalb meist sehr rasch, weil sie auf natürlichem Weg ständig mit Urin gespült werden!

Ansonsten hat sich Octenisept (auch Hansamed, Cutamed, etc.) zur Spraydesinfektion besonders bewährt. Kodan enthält bis zu 30% Wasserstoffperoxid (H2o2) und trocknet zu sehr aus. Wasserstoffperoxid möglichst nur bis zu 3%iger Lösung verwenden. Vorsicht: Desinfektionsmittel mit hohem Alkoholgehalt vernichten neu enstehende Hautzellen!

Sind die Wundränder trocken, kannst Du sie dünn mit Bepanthen bestreichen. Zum Abschwellen der frisch gepiercten Zunge kann man Eiswürfel lutschen.

Macht der Heilungsprozeß nach zwei Wochen Fortschritte, desinfiziere nur noch einmal täglich, bis das Piercing komplett verheilt ist. Achtung: Der Wundkanal heilt von Außen nach Innen! Das bedeutet, dass selbst wenn die Wundränder verheilt sind, der Wundkanal innen noch offen sein kann. Wirst du dann leichtsinnig, entzündet er sich garantiert!

Piercings im Mundraum (Zunge, Lippe, Lippenbändchen) desinfizierst Du von Innen mit geeigneten Mundspülungen (Listerine, grün), zweimal täglich, sowie immer nach dem Essen oder Rauchen. Lippenpiercings von Außen mit Spray und von Innen mit Mundspülung reinigen.

Vermeide Sonnenbäder, Solarium oder Sauna während der ersten Wochen, da Erwärmung Entzündungen fördern kann. Die heilende Wirkung von Sonnen(UV)licht kommt beim Piercing nicht zum Tragen, da die problematischen Stellen im Körper liegen.

Du solltest während der Abheilzeit allzu exzessives Feiern, vor allem mit viel Alkohol und Drogen vermeiden. Das schwächt allgemein das Immunsystem und enthemmt, mit dem Ergebnis, dass Du nicht mehr aufs frische Piercing aufpaßt.

Lasse bevor Du Dich wieder piercen oder tätowieren läßt, einige Wochen Abstand, da Dein Körper Zeit zum Erholen braucht.

Vermeide auch in den ersten Wochen Sportarten, bei denen auf das Piercing eventuell Druck ausgeübt wird; also auch Ballsportarten. Im Zweifelsfall kann das Piercing bei Sport oder Arbeit auch vorrübergehend mit einem Pflaster oder Verband abgetaped werden.

Achte bei Gesichtspiercings darauf, dass kein Make−up in die Wunde kommt.

Bei Piercings im Mundraum (Zunge, Lippe, Lippenbändchen) vermeide in der ersten Woche zu heiße und zu scharfe Nahrung, Fruchtsäureprodukte (Obst) und Milchprodukte und lasse möglichst das Rauchen sein.

Wenn Du all diese Pflegehinweise beachtest, hast Du eine sehr gute Chance, dass Dein Piercing problemlos verheilt.